BUCHTIPPS
LARS ARNDT, DAS DRUCKWERK, BAD SEGEBERG
Lars Arndt ist Inhaber der Bad Segeberger Buchhandlung Das Druckwerk. Das Geschäft wurde bereits mehrmals als „hervorragende Buchhandlung“ ausgezeichnet.

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Buchtipps
FÜR DEN SCHREIBTISCH

Die Faustregel besagt, dass eine Epoche 30 Jahre in der Vergangenheit liegen muss, bevor man sich historisch mit ihr auseinandersetzen sollte. Dies hat zum Zweck, die wissenschaftliche Distanz zu sichern und Unvoreingenommenheit zu garantieren. Hartmut Berghoff hat bewusst mit dieser Regel gebrochen und stellt sich der Herausforderung, eine Zeit historiografisch aufzuarbeiten, die er selbst erlebt hat. Dies gelingt ihm mit einem nüchternen Blick auf die Wirtschaftspolitik der vergangenen 35 Jahre. Unsere Zeit ist geprägt von tiefgreifenden Umbrüchen. Die „Zeitenwende“ 2022 nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine hat die jüngste Geschichte geprägt und die Handlungen der Verantwortlichen geleitet. Dieses Buch hilft uns, diese nachhaltigen Entwicklungen besser zu verstehen. Berghoff identifiziert Stärken und Schwächen der Wirtschaftspolitik seit der Wiedervereinigung und überzeugt dabei mit genau recherchierten Fakten und präzisen Analysen. Er beschreibt die erbrachten Leistungen, ohne dabei die gravierenden Fehlentscheidungen auszusparen. Nicht ohne Humor erkennt der Autor die Ironie, dass die Erfolge alte Strukturen festigen und so dringend benötigte Neuerungen verhindern.
FÜR DAS SOFA

Death Valley von Steven Uhly ist ein autofiktionaler Roadtrip, der persönliche Krisen mit einem Blick auf die gespaltene US-Gesellschaft verbindet. Auslöser ist der Tod der Mutter des Erzählers, die bei einem Reitunfall im Death Valley ums Leben kommt. Zusammen mit seinem von ihm gehassten Stiefbruder Hans, einem bekennenden Trump-Anhänger, reist er nach Nevada, um ihre Überreste abzuholen. Was wie eine Reise, zu der man gezwungen ist, beginnt, wird schnell zu einem Streit über Politik, Weltanschauung und die Möglichkeit, etwas zu erben. Vor allem dank seines Stiefbruders gerät Uhly häufig in die Situation, dessen unbedachte rechte Äußerungen zu neutralisieren, um selbst nicht in die Schusslinie der angespannten USAmerikaner zu geraten. Dabei verschwimmen immer wieder die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Der Erzähler zeigt sich als aufmerksamer Beobachter, dessen eigene Vorurteile auf die Probe gestellt werden. Mit viel schwarzem Humor und einer wilden Erzählweise zeigt der Roman, wie absurd, brutal und tiefgreifend die gesellschaftlichen Konflikte in Amerika heute sind. Eine gute Wahl für alle, die anspruchsvolle, aber trotzdem unterhaltsame Literatur mögen.
