Wie Start-ups die KI in die Wirtschaft bringen

KI-Transfer am Campus

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KI-Transfer am Campus: Zwei Uni-Ausgründungen zeigen, dass künstliche Intelligenz (KI) in Lübeck längst nicht mehr nur Forschungsthema ist. expandAI und humaide bringen KI in die Praxis. Sie entwickeln datengetriebene Software und sorgen für eine verantwortungsvolle Nutzung von KI-Systemen.

expandAI versteht sich nicht als klassisches Softwareunternehmen, sondern als Dienstleister, der für Kunden maßgeschneiderte KI-Software entwickelt. „Unternehmen tun sich manchmal schwer, in kürzester Zeit eine KI-Abteilung aufzubauen. Dann sind wir diese KI-Abteilung“, erklärt Artur Piet, Gründer und Geschäftsführer von expandAI. Das Unternehmen achtet sehr genau darauf, ob Datenlage, Problem und wirtschaftlicher Hebel zusammenpassen. Das Team ist an Projekten interessiert, die beim Kunden etwas verändern und Nutzen bringen. Nicht jede Idee ist automatisch ein Business-Case. „Wir sind da sehr ehrlich. Denn wenn es darum geht, im Jahr hinterher 20.000 Euro zu sparen, dann lohnt sich diese Entwicklung für 200.000 Euro nicht.“ Das kommunizieren sie offen – auch dann, wenn sich ein Projekt aus ihrer Sicht nicht lohnt.

Vermutlich ist diese Fairness einer der Faktoren, weshalb expandAI heute kaum noch Akquise betreiben muss. Stattdessen werden sie von Unternehmen kontaktiert – etwa von Bäckereien, Firmen aus der medizinischen Informatik oder auch Kanalinspektionsunternehmen. Bei den entwickelten Lösungen geht es um Datenauswertung, Vorhersage und Erkennung. Egal, ob die Anwendung am Ende Verkaufsprognosen für Backwaren erstellt, medizinische Risiken einschätzt oder Kanalvideos automatisch auswertet.

Dass solche Anwendungen in Lübeck entstehen, ist für das Team kein Zufall. Die Lage ihres Büros auf dem Uni-Campus ist perfekt, weil die Wege zur Universität, dem UKSH und der TH kurz sind. „Der Campus ist mit allen Strukturen bestens auf Transfer vorbereitet“, sagt Professor Dr. Marcin Grzegorzek. „Wir müssten gar nicht aus Lübeck weg. Alles, was wir brauchen, ist hier“, ergänzt Piet.

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Der Campus ist mit allen Strukturen bestens auf Transfer vorbereitet.“

Professor Dr. Marcin Grzegorzek

Ohne menschzentrierte Gestaltung drohen Investitionen zu verpuffen

Während expandAI KI dort einsetzt, wo Daten Prozesse verbessern können, schaut humaide auf eine andere entscheidende Frage: Was passiert, wenn Menschen mit diesen Systemen arbeiten? Das junge Unternehmen fragt, wie KI-Anwendungen gestaltet sein müssen, damit Menschen sie verstehen, kontrollieren und sinnvoll nutzen können. „Der Erfolg bei der Interaktion oder auch bei der Nutzung von KI-Systemen hängt immer mehr davon ab, wie gut die Anwendung in die Zusammenarbeit mit dem Menschen integriert ist. Systeme, die nicht gut gestaltet sind, werden am Ende nicht genutzt. Oder noch schlimmer: Sie werden genutzt, aber eben falsch, weil Nutzerinnen und Nutzer die Logik dahinter verborgen bleibt oder auch die Grenzen der KI nicht klar gemacht werden“, beschreibt Luisa Winzer, Mitgründerin von humaide. Dem möchte das Team entgegenwirken.“, beschreibt es Luisa Winzer, Mitgründerin von humaide. Dem möchte das Team entgegenwirken.

Die Gründerinnen und Gründer kommen aus den Disziplinen Psychologie, Informatik, Kognitionswissenschaften. 2025 gründeten sie ihr Start-up, um den Ansatz für Unternehmen nutzbar zu machen. Winzer warnt davor, KI nur technisch einzuführen. Ohne menschzentrierte Gestaltung drohten Investitionen zu verpuffen, weil Mitarbeiter die Systeme nicht verstehen, ihnen zu stark vertrauen oder sie gar nicht nutzen. Sie und ihre Mitgründer sind überzeugt: KI kann ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn Mensch, Vertrauen und Verantwortung mitgedacht werden. In der Praxis bedeutet das: humaide analysiert etwa, warum eingekaufte Assistenzsysteme in Unternehmen nicht genutzt werden oder zu Fehlern führen. Dafür befragt das Team Nutzer, bewertet die Anwendung und entwickelt konkrete Handlungsempfehlungen – sowohl für die technische Seite als auch für die Menschen, die später damit arbeiten.

Der KI-Standort Lübeck bietet auch für humaide klare Vorteile. „Bei uns war auf jeden Fall die Kombination zwischen Forschung und Anwendung, die am Campus vorhanden ist, ein großer Vorteil.“ Allerdings bemängelt Luisa Winzer die Sichtbarkeit: Wenn man an KI-Innovationen denke, komme einem nicht automatisch Lübeck in den Sinn. „Was man vielleicht machen könnte, ist, dieses gemeinsame Profil, das ja vorhanden ist, ein wenig mehr nach außen zu kommunizieren.“

Gemeinsam zeigen expandAI und humaide, dass Lübecks KI-Szene mehr kann als Forschung: Sie übersetzt Technologie in konkrete Anwendungen – und fragt zugleich, wie diese beim Menschen ankommen.