Mutige Tourismusprojekte

Mit Vision und Ausdauer

Drei neue Tourismusprojekte zeugen von unternehmerischer Ideenkraft, Durchhaltevermögen und der Liebe zur Region. Ein Blick auf das Kaufhaus Stolz in Bliesdorf sowie die Hotels Pierdrei und The Great North – drei Projekte mit besonderer Entstehungsgeschichte.

Kräftige Farben, große Blumenmuster und gemütliche Möbel – wer die Zimmer des Hotel The Great North in Kaltenkirchen betritt, der möchte am liebsten erst mal nicht wieder ausziehen. Denn das im August 2025 eröffnete Haus vermittelt die perfekte Mischung zwischen der Gemütlichkeit eines englischen Clubs und nordischer Gelassenheit. So betitelt es auch Geschäftsführerin Doris Eßmann. „Hier hat jeder Raum eine eigene Geschichte.“ Gemeinsam mit der Holsten Therme, mit der das Hotel über einen Bademantelgang verbunden ist, bildet das Hotel das HolstenTherme Resort.

Very british: Hotel The Great North

Der Charme ist hart erarbeitet und war nicht immer so. Denn das mehr als 20 Jahre alte Gebäude war zuvor als Hotel Dreiklang bekannt, das wegen gravierender hygienischer Mängel schließen musste. Der Besitzer entschloss sich, das Haus zu verkaufen. Die Städtischen Betriebe der Stadt Kaltenkirchen, Muttergesellschaft der HolstenTherme, schlug zu und erwarb das Hotel. Ein Jahr lang renovierte man und drehte alles auf links. Rund sechs Millionen Euro hat die Sanierung gekostet. Eine Zeit, die nicht nur für Doris Eßmann stressig war. „Eigentlich dachte man, es reicht, einmal durchzustreichen und Möbel auszutauschen. Doch dem war nicht so.“ Zu viele Mängel fanden sich hinter den Fassaden. Doch die Renovierung war die Grundlage für einen modernen Hotelbetrieb.

In dem Hotel läuft fast alles digital. Die Gäste bekommen keine Schlüsselkarte mehr, sondern ein Armband mit einem Chip. Damit lassen sich nicht nur die Zimmertüren, sondern auch den Zugang zur Therme öffnen oder das Essen im Hotelrestaurant aufs Zimmer schreiben. „Das Armband ist wie ein Schlüssel. Damit bewegen sich die Gäste im Resort komplett bargeldlos.“

Modern eingerichtetes Hotelzimmer im The Great North mit Doppelbett, Sitzecke und Fernseher

Das Hotel The Great North in Kaltenkirchen. Foto: The Great North

Schon zu Beginn der Renovierung stand die Idee fest, dem Hotel den Anstrich eines britischen Clubs zu geben. Den findet man nicht nur in den 63 Zimmern des Boutiquehotels, sondern auch in den sieben Konferenzräumen sowie im Restaurant Flowerz. Besonders wichtig sind Doris Eßmann und ihrem Team ein herzlicher Umgang mit den Gästen. Das spiegelt sich nicht nur in den Bewertungen auf den Buchungsplattformen wider, sondern auch in der Belegungsrate, die dieses Jahr mit 60 Prozent erwartet wird. Alles nach dem Motto des Hauses: ‚Feels like coming home‘.

IN ZAHLEN

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Zimmer hat das Boutiquehotel The Great North

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Filiale eröffnete Kaufhaus Stolz in Bliesdorf

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Millionen Euro betrugen die Gesamtkosten des Projekts in Bliesdorf

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Zimmer soll das Hotel Pierdrei in Lübeck bekommen

Ort der Begegnungsstätte: Kaufhaus Stolz in Bliesdorf

Ein Nahversorgungszentrum mit Bäcker, Supermarkt samt Getränkemarkt sowie einem Outdoor-Ausrüster und einer neuen Filiale der Kaufhauskette Stolz mitten im beschaulichen 500-Seelen-Ort Bliesdorf in der Gemeinde Schashagen: Auf die Realisierung seines Herzensprojekts musste Kaufhaus-Chef Martin Stolz lange warten. Rund neun Jahre dauerte es, bis das Unternehmen mit Sitz auf Fehmarn seine 38. Filiale direkt an der B501 eröffnen konnte. Ende April 2026 war es endlich so weit.

Bis dahin galt es, einige Klippen zu umschiffen. Zwar fand das Projekt bei der Gemeindevertretung großen Anklang, trotzdem bremsten Streitigkeiten wegen der Anbindung und des Abstands zu den Nachbarn das Projekt anfangs aus. 2022 gab es dann endlich den ersten Spatenstich.

Außenansicht des Kaufhauses Stolz in Bliesdorf mit roten Fahnen und Vorplatz

Im April 2026 feierlich eröffnet: die 38. Filiale der Kaufhauskette Stolz in Bliesdorf bei Grömitz. Foto: Kaufhauskette Stolz

Um das Nahversorgungszentrum zu realisieren, musste einiges an Erde bewegt werden, erzählt Uwe Hornung, Geschäftsführer und COO bei Kaufhaus Stolz. „Wir haben allein für die Erdbewegungen rund vier Millionen Euro ausgegeben“, erzählt er. Zwischen 16 und 20 Millionen Euro betrugen die Gesamtkosten des Projekts. Gerade plant die Kaufhauskette noch einen großen Erlebnisspielplatz auf dem Gelände. Jetzt freuen sich nicht nur die Touristen über das Shoppingcenter, auch die Bliesdorfer nutzen die neuen Einkaufsmöglichkeiten. Musste man früher noch nach Neustadt oder Grömitz fahren, können sie die Produkte für den täglichen Bedarf nun direkt vor Ort erwerben.

Rund 100.000 Produkte führt Kaufhaus Stolz in Bliesdorf – von der Nähnadel bis zum Strandkorb bekommt man aus dem Non-Food-Bereich fast alles. Rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten hier. Nebenan, bei der Stolz-eigenen Kette „Outdoor Ole“, bekommen die Kunden Outdoorbedarf und Herrenbekleidung. Die Investition in den Standort lohnt sich laut Hornung. „Eigentum ist uns wichtig. Wir mieten nicht, sondern vermieten lieber.“ Mit ihren Mietern, der Discounterkette Netto und der Bäckereikette Min Backstuuv, arbeitet Kaufhaus Stolz nicht zum ersten Mal zusammen. „Wir arbeiten gegen den Trend, Sachen im Internet zu bestellen. Wir wollen Menschen verbinden und zusammenbringen, ein Ort der Begegnungsstätte sein. Und so, im Gegensatz zum Internet, ein Erlebnis und einen Mehrwert bieten. Und das passt für uns alles zusammen.“

Von Hamburg nach Lübeck: Hotel Pierdrei in Planung

Viel Backstein und Holz, direkt am Ufer der Trave und in bester Gesellschaft: Noch in der Planungsphase steckt ein Hotelprojekt in Lübeck, das schon jetzt Strahlkraft über die Hansestadt hinaus entwickelt. Denn die Macher hinter dem Hotel Pierdrei in Hamburg – die Miniaturwunderland-Familien Braun und Drechsler; der Gründer des Schmidt Tivoli, Norbert Aust, und Hotelier Kai Hollmann – planen gerade einen Neubau auf einem ganz besonderen Grundstück.

Auf der Nördlichen Wallhalbinsel wollen sie ein zweites Hotel Pierdrei bauen, das bereits 2028 öffnen soll. Dabei soll das Haus aber kein Abklatsch des Hamburger Hotels werden, sagt Sebastian Drechsler. „Wir sind nicht so gut im Kopieren. Das, was wir lieben, ist es, neue Orte entstehen zu lassen.“


Das, was wir lieben, ist es, neue Orte entstehen zu lassen.
– Sebastian Drechsler, Hotel Pierdrei

Die Wahl auf die Hansestadt fiel den drei Pierdrei-Hoteliers nicht schwer. „Ich bin regelmäßig in Lübeck, man kann sich der Schönheit der Stadt nicht entziehen“, sagt Drechsler. Als er von der Entwicklung der Nördlichen Wallhalbinsel hörte, haben er und seine Mitstreiter gleich zugeschlagen. „Der Ort passt perfekt zu uns, genau wie Lage am Wasser und die Verbindung zur Hanse.“

153 Zimmer soll das Hotel bekommen – und wenn es nach Drechsler geht, auch noch ein, zwei Hausboote vor der Tür. Doch ob das klappt, steht noch in den Sternen. „Wir wollen immer etwas Besonderes für unsere Gäste bieten. Das Hamburger Pierdrei hat zum Beispiel einen Campingplatz auf dem Dach. Aber am Ende muss sowohl die Stadt als auch der Betreiber der Marina mitspielen“, so Drechsler.

Drei Männer stehen nebeneinander in der Lobby des Hotels Pierdrei

Planen das zweite Pierdrei-Hotel diesmal in Lübeck: Sebastian Drechsler, Norbert Aust und Kai Hollmann. Foto: Lutz Roessler

Geplant ist das Haus als eine Adresse für die ganze Familie, aber mit der Kreativität und Wertigkeit eines Designhotels. „Wir wollen alle Generationen ansprechen. Wie an einer langen Familientafel in der Toskana, wo die Oma genauso sitzt wie die Kinder.“ Für Sebastian Drechsler ist klar, dass das Haus etwas Besonderes wird, auch für die Lübecker. Man will sich bewusst der Stadtgesellschaft öffnen, sagt er. „Es ist das Tollste, wenn man ein Grundrauschen an Menschen da hat. Für Gastronomie, Kultur, Konzerte oder auch Lesungen. Wir sehen uns als einen lebendigen Ort. Das wird das schönste Haus in Lübeck.“

Autorin: Majka Gerke · freie Journalistin · redaktion@luebeck.ihk.de

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Ausgabe August / September 2026