
Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
Lars Schöning ist Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck.
Lars Schöning ist Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck.


Lars Schöning ist Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck.
Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
gute Ausbildung braucht attraktive Rahmenbedingungen. Dazu gehört auch die Frage, wie junge Menschen während ihrer Ausbildung wohnen und ihren Ausbildungsplatz oder die Berufsschule erreichen können. Umso wichtiger ist es, dass politische Entscheidungen sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Auszubildenden orientieren.
Genau deshalb haben die Industrie- und Handelskammern (IHK) und die Handwerkskammern (HWK) in Schleswig-Holstein knapp 4.000 Auszubildende befragt. Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Die große Mehrheit ist mit ihrer aktuellen Wohnsituation zufrieden, mehr als die Hälfte wohnt während der Ausbildung bei der Familie und nur rund ein Fünftel ist für die Ausbildung umgezogen. Gleichzeitig wünschen sich die meisten Auszubildenden perspektivisch eine eigene Wohnung. Wohnheime spielen dagegen nur für eine vergleichsweise kleine Minderheit eine Rolle.
Auszubildende stärker zu entlasten und die Attraktivität der beruflichen Bildung weiter zu erhöhen ist ein richtiges und wichtiges Ziel der Landesregierung. Der vorliegende Gesetzentwurf für ein Azubiwerk setzt aus meiner Sicht jedoch die falschen Schwerpunkte. Es besteht die Gefahr, dass erhebliche Mittel in den Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen fließen, statt unmittelbar bei den jungen Menschen anzukommen. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Haushalte sollten die Mittel möglichst effizient eingesetzt werden und keine neue nicht notwendige Bürokratie geschaffen werden.
Die Umfrage zeigt zudem, dass die Herausforderungen vieler Auszubildender weniger beim Wohnen als vielmehr bei der Mobilität liegen. Vor allem lange Wege zur Berufsschule belasten viele junge Menschen. Gleichzeitig wird deutlich, welchen wichtigen Beitrag die Ausbildungsbetriebe bereits heute leisten: Dort, wo Unternehmen ihre Auszubildenden bei der Wohnungssuche unterstützen, gelingt diese deutlich besser. Das spricht für regionale und praxisnahe Lösungen statt für zentral organisierte Strukturen.
Deshalb haben IHK und HWK gemeinsam ein Alternativpaket vorgeschlagen. Dazu gehören ein bezahlbares Azubi-Ticket, bessere Unterbringungsmöglichkeiten an Berufsschulstandorten, flexiblere Beschulungsformen, die Unterstützung betrieblicher Wohnprojekte sowie direkte Miet- und Fahrtkostenzuschüsse für besonders betroffene Auszubildende. Diese Maßnahmen würden gezielt dort ansetzen, wo die tatsächlichen Herausforderungen liegen. Lesen Sie auch unsere Position und Vorschläge auf der IHK-Homepage.
Ihr Lars Schöning

Wirtschaft im Hansebelt – Das Magazin der IHK zu Lübeck
Ausgabe Oktober / November 2026