Sinus Nachrichtentechnik GmbH

Wenn jede Sekunde zählt

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Mit dem Kommunikationsmanagementsystem der Sinus Nachrichtentechnik in Barsbüttel werden deutschlandweit in über 100 Leitstellen Notrufe gebündelt und Einsätze koordiniert.

„Mir steckt ein Stück Stahl im Fuß!“ Der 112-Notruf der älteren Frau klang alarmierend. Die Einsatzzentrale schickte pflichtgemäß sofort einen Rettungswagen los. Vor Ort entpuppte sich der Stahlsplitter jedoch als harmlose Reißzwecke. „Die Zahl der Fehlanrufe bei Feuerwehren, Rettungsdiensten und dem Katastrophenschutz hat besonders in Städten deutlich zugenommen, blinder Alarm liegt bei etwa 20 Prozent“, sagt Marcus Landschof, Geschäftsführer der Sinus Nachrichtentechnik GmbH. Gründe seien vor allem die gesunkene Hemmschwelle bei Anrufern besonders in Städten, Verständnisprobleme und die immer noch große Dichte an Krankenhäusern in Ballungsräumen.

Sinus Nachrichtentechnik, die neben dem Hauptsitz in Barsbüttel inzwischen fünf weitere Standorte in Deutschland hat, ist einer der führenden Anbieter von Kommunikationsmanagementsystemen in Deutschland, die primär in Leitstellen sowie in Wachen und Einsatzleitwagen integriert werden. Zu ihren Kunden gehören Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben im Bereich der kritischen Infrastruktur, Stadtwerke, der ÖPNV und Unternehmen des privaten und öffentlichen Sektors. Unter anderen haben sich Hamburg Airport, die Berufsfeuerwehr Dortmund, die Stadt Emden, Henkel, Bayer oder Regionalleitstellen wie in Bad Oldesloe und Kiel für das „Multimedia Emergency Control Center“ von Sinus entschieden. „Unsere Aufgabe ist es, zwischen den Einsatzkräften effiziente Kommunikation in kritischen Situationen sicherzustellen, um schnell und zuverlässig auf Notfälle reagieren zu können“, so Geschäftsführer Landschof.

Für den Notfall: Systeme für Sprach- und Datenkommunikation

Den Unterschied zu Wettbewerbern sieht der 43-jährige Diplom-Betriebswirt in dem ganzheitlichen und auf individuelle Lösungen zugeschnittenen Produktportfolio des Systemhauses. Denn in dem multimedialen Kommunikationssystem einer Leitstelle seien alle Bestandteile eng miteinander verknüpft und nicht isoliert zu betrachten. Außerdem habe jeder Kunde ein anderes Profil. Das Technologieunternehmen aus dem Kreis Stormarn kann deshalb diverse Systeme für Sprach- und Datenkommunikation sowie Websites und Applikationen einbinden, wie zum Beispiel nach der Auslösung eines Notrufs die digitale Alarmierung und Zusammenführung der Einsatzkräfte sowie die Benachrichtigung von Politik und Bevölkerung durch SMS und automatisierte Anrufe; oder „E-Call“, ein automatisches Notrufsystem in Fahrzeugen, das bei einem schweren Unfall automatisch die 112 anruft.

Außerdem können die Rettungswagen mit einer Einsatznavigation ausgestattet werden, die selbsttätig die Routenführung und die Erfassung sowie den drahtlosen Datenaustausch startet. Zudem gibt es skalierbare Lösungen für Telefon- und elektronische Lautsprecheranlagen bei der internen Kommunikation in Wachen und „Gerätehäusern“.

„Unsere Aufgabe ist es, zwischen den Einsatzkräften effiziente Kommunikation in kritischen Situationen sicherzustellen, um schnell und zuverlässig auf Notfälle reagieren zu können-“

– Sinus-Geschäftsführer Marcus Landschof

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Sinus-Geschäftsführer Marcus Landschof: Mit seinem Unternehmen hat er 2024 den Hamburger Gründerpreis in der Kategorie „Aufsteiger“ gewonnen.

Leitstelle mit Notstromaggregat

Der Schutz persönlicher Daten und das Thema Cybersecurity hat für den Mittelständler mit 128 Mitarbeitern höchste Priorität. In seinem geschlossenen System geht nichts online, die Speicherung erfolgt nur auf dem eigenen Server. Im Rechenzentrum werden auch alle Ereignisse und Einsätze protokolliert und zu einer beweissicheren Langzeitdokumentation zusammengefasst. Schließlich ist jegliche Kommunikation über Funk verschlüsselt und die Telefonie durch eine „Brandmauer“ gesichert.

„Dass mal ein Notruf verloren geht, ist sehr unwahrscheinlich“, betont CEO Marcus Landschof, der seit 2011 Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter ist. Ausfälle des Systems seien aber nicht völlig auszuschließen. Für dieses Krisenszenario haben Leitstellen ein Notstromaggregat und eine „Rückfallebene“ für Strom, Funk und Daten: ein alternatives System, das unaufgefordert greift und den Totalausfall verhindert, wenn das primäre Kommunikationssystem ausfallen sollte.

Einsatzleitwagen werden zu vollständigen Ersatzleitstellen

Zudem setzt das 1983 gegründete Unternehmen auf „Sicherheit im Verbund“: Der Zugriff auf alle Kommunikationsressourcen der von Sinus betreuten Leitstellen ist jederzeit von jedem Standort aus möglich – eine effektive Reaktion auch auf ein außergewöhnlich hohes Notrufaufkommen in einer Einrichtung. Zusätzlich kann Sinus bei Bedarf Einsatzleitwagen zu vollständigen Ersatzleitstellen mit vollwertigen Arbeitsplätzen umrüsten. Sehr viel Wert wird auf die Schulung der Nutzer gelegt, mit denen in einem Workshop die kundenspezifische Benutzeroberfläche und intuitive Bedienung ihrer Touch-Monitore und Tablets gefunden wird.

Trotz der guten technischen Ausstattung gibt es beim Katastrophenschutz aber durchaus noch Handlungsbedarf. Ein Manko: Es mischen viele Akteure in diesem System der Schadensbekämpfung mit. Bei Kooperationen und Koordinierungen zwischen dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und der Katastrophenhilfe, den Ländern und Kommunen, den Feuerwehren, der Polizei und der Bundesanstalt THW sowie privaten Hilfsorganisationen sind gewisse Reibungsverluste nicht auszuschließen. „Die Kommunikationsprozesse sind daher oft noch zu langsam, eine Kommandozentrale fehlt meistens“, kritisiert Marcus Landschof.

Dr. Jörn Arfs, freier Journalist, redaktion@luebeck.ihk.de
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