Sicherheit für Unternehmen

Wie Wachdienste die regionale Wirtschaft absichern

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Bedrohungen gegen Unternehmen haben stark an Komplexität zugenommen, der Schaden durch Angriffe ist auf einem Rekordhoch. Auf die veränderte Sicherheitslage reagieren norddeutsche Wach- und Sicherheitsunternehmen mit technischen Innovationen wie Drohnen und künstlicher Intelligenz.

Fast neun von zehn Unternehmen in Deutschland haben es nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr erlebt: einen Angriff in Form von Spionage, Sabotage oder Datendiebstahl. Das ergab die Befragung „Wirtschaftsschutz 2025“ des Branchenverbands Bitkom. Hochgerechnet haben diese Angriffe einen Schaden von 289,2 Milliarden Euro in der deutschen Wirtschaft angerichtet. Der Anstieg um rund acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist ein neuer Rekordwert.

Werkgelände vor Spionage schützen

Doch wie können sich Unternehmen schützen und ihre Daten sowie Firmengelände gegen Angriffe absichern? Die Lübecker Wachunternehmen Dr. Kurt Kleinfeldt GmbH und MEBO Sicherheit GmbH mit Hauptsitz in Bad Segeberg gehören seit mehreren Jahrzehnten zu den größten Sicherheitsunternehmen im Hansebelt. Beide sichern Industrie- und Gewerbegelände ab und beraten Anbieter sowie Versorger kritischer Infrastrukturen. Die wichtigste Leistung für Gewerbekunden sei nach wie vor ein lückenloser Objekt- und Werkschutz.

„Dazu zählen klassischerweise die Aufschaltung von Alarmanlagen, die Eingangskontrolle an der Pforte und Kontrollfahrten. Dabei setzen wir auf uniformiertes, sicherheitsüberprüftes und ausgebildetes Personal“, sagt Leon Kleinfeldt, einer der drei Geschäftsführer des Lübecker Wachunternehmens (großes Bild oben).

Videoüberwachung und Perimeterschutz

Wichtig sei dabei das engmaschige Kontrollieren von Personen, die sich auf dem Firmengelände aufhalten. Das bestätigt auch MEBO-Geschäftsführer Jörg Bonkowski: „Wir prüfen zum Beispiel, dass Handwerker das Gelände auch wirklich wieder verlassen – und beispielsweise keine Fotos machen.“

Dieser gezielte Schutz vor Spionage spiele zum Beispiel bei Werften eine wichtige Rolle, die zu den Kunden des Bad Segebergers Sicherheitsunternehmen gehören. Beide Sicherheitsunternehmen setzen auf gezielte Videoüberwachung und auf den sogenannten Perimeterschutz – also die lückenlose Überwachung einer Grundstücksgrenze –, bei dem verschiedene elektronische wie bauliche Schutzsysteme greifen.

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Jörg Bonkowski, Geschäftsführer der Mebo Sicherheit GmbH

Mehr Schutz für kritische Infrastrukturen

Immer wichtiger wird der Schutz kritischer Infrastrukturen. Bei sensiblen Strukturen sei nicht allein die Absicherung einzelner Unternehmen notwendig. „Auch die vielen Zulieferer entlang der Lieferkette müssen wir in den Blick nehmen. Wenn etwa ein wichtiges Bauteil fehlt, trifft das ein Unternehmen der kritischen Infrastruktur mitunter genauso sensibel, als wenn es unmittelbar betroffen wäre“, so Leon Kleinfeldt.

Bei Beratungen empfehle er Gewerbekunden, auf Notstromgeräte zu setzen, um bei einem Blackout eine gewisse Zeit autark wirtschaften zu können. So trügen Wachdienste heute auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Dazu zähle auch die Sicherung wichtiger öffentlicher Einrichtungen. „Neben Versorgungsunternehmen statten wir immer häufiger auch Rettungsdienste wie Feuerwehren mit Sicherheitsanlagen Sicherheitsanlagen aus“, berichtet Jörg Bonkowski.

Und auch die eigene Sicherheit stehe im Vordergrund. „Unsere durchgehend besetzte Leitstelle ist mit einem Schleusensystem mit Panzerglasfenster und durchschusssicherer Tür ausgestattet sowie mit einer Notstromversorgung. Das gleicht einem Hochsicherheitstrakt“, sagt der Segeberger Unternehmer.

„Auch die vielen Zulieferer entlang der Lieferkette müssen wir in den Blick nehmen. Wenn etwa ein wichtiges Bauteil fehlt, trifft das ein Unternehmen der kritischen Infrastruktur mitunter genauso sensibel, als wenn es unmittelbar betroffen wäre.“

– Leon Kleinfeldt, Lübecker Wachunternehmen GmbH

Cyberangriffe gegen Betriebe nehmen zu

Spätestens seit Beginn des Ukrainekriegs habe sich das Sicherheitsgefühl auch bei vielen Gewerbekunden verändert. „Früher haben wir häufig die Erfahrung gemacht, dass wir als Sicherheitsunternehmen wie Versicherungen als notwendiges Übel wahrgenommen werden. Heute sprechen uns unsere Kunden an und sagen: ,Das ist schön, dass ihr da seid. Durch den Schutz fühlen wir uns sicherer‘“, sagt Leon Kleinfeldt.

Neben der gefühlten Sicherheit haben sich auch die realen Angriffe verändert. Die Kunden beider Wachunternehmer sind regelmäßig Cyberangriffen ausgesetzt, bei denen Angreifer versuchen, Daten zu verschlüsseln. IT-Sicherheit gehöre heute also ins Leistungsspektrum seriöser Wachdienstleister. Und auch andere Gefahren nehmen zu: „Uns berichten Unternehmen hin und wieder von Drohnenüberflügen. Das ist sehr beunruhigend“, berichtet Jörg Bonkowski.

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Drohne

Marten und Jörg Bonkowski mit moderner Drohnentechnik für den Wachschutz. Diese soll schon bald in den Einsatz gehen. 

Vision im Wachschutz: Drohnen und Robo-Dogs

Auf die neuen Risiken reagieren die Sicherheitsunternehmen mit technischen Innovationen. So sei der Einsatz von Wärmebildkameras und spezieller Software keine Seltenheit mehr. „Wir planen zudem, im Laufe des Jahres Drohnen einzusetzen, die wir zum Beispiel auf einem Industriegelände platzieren können. Die Drohne übernimmt dann den Streifendienst und erkennt per künstlicher Intelligenz, ob sich etwa ein Reh oder eine unbefugte Person auf dem Grundstück befindet“, erklärt Jörg Bonkowski. Perspektivisch könnten sich Drohnen auch nach einem ausgelösten Alarm – zeitgleich mit der mobilisierten Wachdienststreife und der Polizei – an den Standort bewegen und nach dem Rechten schauen. „Das ist aber aufgrund vieler behördlicher Regelungen noch Zukunftsmusik“, so Jörg Bonkowski.

Ein weiterer Trend im Wachdienst seien zudem humanoide Roboter. „Solche Roboter sind mit 360-Grad- Kameras und verschiedenen Detektoren ausgestattet“, berichtet Leon Kleinfeldt und ergänzt: „Darüber hinaus gibt es sogenannte Robo-Dogs, also Roboter, die Hunde nachahmen. Diese smarten Robo-Dogs können bei der Begegnung mit unbefugten Personen regelrechte Drohgebärden machen. Das klingt zunächst witzig, ist aber real und recht furchteinflößend.“

Autor: Benjamin Tietjen, IHK-Redaktion Lübeck, benjamin.tietjen@luebeck.ihk.de
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