Expertise nutzen, digital durchstarten
Meet the Experts

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Meet the Experts
Expertise nutzen, digital durchstarten
Mit dem kostenlosen Beratungsangebot unterstützt die IHK zu Lübeck Unternehmen bei wichtigen Digitalisierungsvorhaben, zum Beispiel beim Onlinemarketing, beim Ausbau der Social-Media-Kanäle und bei der IT-Sicherheit sowie beim gezielten Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). Drei Unternehmen berichten, wie sie von dem Angebot profitiert haben.
Von Benjamin Tietjen
Ohne die 3D-Sensoren und Infrarotkameras aus Bad Oldesloe würde unser Alltag nicht richtig rundlaufen. Die ausgeklügelten Hightech- Produkte des Unternehmens AT Sensors schauen genau dorthin, wo das menschliche Auge nicht hinkommt, und sorgen so unter anderen für funktionierende Handys und Fahrzeuge. „Unsere 3D-Sensoren kommen vor allem in der Qualitätskontrolle zum Einsatz. Im Rahmen der Smartphone-Produktion prüfen sie beispielsweise, ob auf den elektronischen Bauteilen alles sauber gelötet ist und sich jedes Teil an der richtigen Stelle befindet“, erklärt Daniel Seiler, einer der beiden Geschäftsführer. Auch die Karosserien der Vito-Serie von Mercedes Benz prüft das Unternehmen so auf Herz und Nieren. Weiter kommen die Laserprofilsensoren beim Food- Branding zum Einsatz, also wenn auf Obst und Gemüse ein Firmenlogo quasi eingraviert wird. Ergänzend dazu sorgt die Infrarottechnologie aus dem Kreis Stormarn in der Luftfahrtindustrie und der Automobilbranche für Sicherheit. „Mit unseren Wärmebildkameras können wir direkt ins Material hinschauen und herausfinden, ob sich beispielweise in Kunststoffteilen winzige Luftblasen gebildet haben. So lassen sich Defekte aller Art schnell und sehr präzise erkennen, ohne dass etwa Teile eines Flugzeugs umständlich abgebaut werden müssen“, ergänzt Geschäftsführer Dr.-Ing. André Kasper.
AT Sensors ist in den vergangenen Jahren schnell gewachsen, betreibt Niederlassungen in den USA und in Taiwan und hat Kunden in nahezu allen Branchen. Mit seiner bildgebenden Spezialsensorik, die in der industriellen Prozessautomatisierung sowie bei Überwachungs- und Inspektionsaufgaben zum Einsatz kommt, ist AT Sensors mittlerweile einer der taktgebenden Weltmarktführer. Viele Produkte sind über viele Jahre weiterentwickelt worden und hoch spezialisiert. So stammt die weltweit erste smarte Infrarotkamera, die keine externe Hardware oder Software benötigt und Signale smart an die Prozesssteuerung liefert, aus Bad Oldesloe.
SEO im Fokus
Der Erfolg am Weltmarkt stellt das Technologieunternehmen jedoch auch vor Herausforderungen. Um sich gegen globale Mitbewerber durchzusetzen, ist die zentrale Platzierung in Internetsuchmachmaschinen ein wichtiger Baustein. „Wir haben vor sechs Jahren unser Marketing komplett neu aufgestellt und sind 2024 mit einer neuen Website online gegangen. Schnell haben wir jedoch gemerkt, dass die gewünschten Besucherzahlen auf der Website noch deutlich optimiert werden mussten“, berichtet Nina Claaßen, Head of Marketing bei AT Sensors. Eine der Herausforderungen: „Wir vertreiben ein hoch spezialisiertes und erklärungsbedürftiges Produkt für den Nischenmarkt und die Zielgruppe ist sehr spezifisch: Wir haben zwar einen klaren Fokus auf B2B, allerdings muss unser Inhalt nicht nur für das Fachpublikum der Bildverarbeitungsbranche erstellt werden, sondern auch für jedermann verständlich sein. Das macht die Suchmaschinenoptimierung nicht gerade einfach“, so Claaßen weiter.
Durch einen Newsletter wurde das Unternehmen schließlich auf „Meet the Experts“ aufmerksam, ein kostenloses Beratungsangebot der IHK zu Lübeck. Bei dem Format geben Experten aus dem Arbeitskreis ITK & Digitalisierung und der IHK in einem virtuellen Termin Tipps und Hilfestellungen zu Digitalisierungsvorhaben. Bei dem Austausch kam schnell der Anstoß, die Unternehmenswebsite bezüglich der Themen SEO und SEA (Suchmaschinenoptimierung und Google-Anzeigen) neu aufzustellen. Neben technischen Stellschrauben optimierte AT Sensors wichtige Schlüsselbegriffe für die Suche (sogenannte Keywords), um das Spezialwissen besser aufzubereiten. „Wir haben uns außerdem dazu entschlossen, zentrale Formulierungen zu verändern. So sprechen wir auf der Website beispielsweise nicht mehr von 3D-Sensoren, sondern von 3D-Laserprofilsensoren“, erklärt die Marketingexpertin. Und sogar den Unternehmensnamen passte der Mittelständler für die Sichtbarkeit im Netz an: So wurde aus AT Automation Technology nach reifer Überlegung AT Sensors.
Nina Claaßen zieht ein positives Fazit: „Diese Anpassungen, verbunden mit SEA-Kampagnen, haben bisher schon gut funktioniert, wir bekommen heute deutlich mehr Anfragen über die Website rein.“ Das Beratungsangebot der IHK sei auch deshalb hilfreich, weil es einen niedrigschwelligen Einstieg in Wissens‑ und Praxisformate biete, findet Claaßen. Auch bei einem Besuch des IT4B Digital Summit im Jahr 2025 habe sich das Unternehmen über aktuelle Digitalthemen informiert. „Gerade SEO und SEA sind technisch sehr anspruchsvoll. Ohne das permanente Weiterbilden und Ausprobieren neuer Tools wären wir heute nicht dort, wo wir jetzt stehen“, sagt sie.a

Kostenloses Online-Beratungsangebot der IHK
Die IHK zu Lübeck stellt mit „Meet the Experts“ zu vier Digitalschwerpunkten ein kostenloses Online-Beratungsangebot zu den Themen Onlinemarketing, Social Media, IT-Sicherheit und KI zur Verfügung. „Mit dem Angebot möchten wir Unternehmen dabei unterstützen, Orientierung im komplexen und dynamischen Feld der Digitalisierung zu gewinnen“, sagt Christian Wegener, Referent Digitale Wirtschaft.
„Meet the Experts“ sei für alle Branchen offen und werde vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen nachgefragt. „In den Orientierungsberatungen treten Expertinnen und Experten aus dem Arbeitskreis ITK & Digitalisierung in den direkten Austausch mit den Unternehmen und geben praxisnahe Impulse, welche konkreten Maßnahmen geeignet sind, um digitale Potenziale zu nutzen und wettbewerbsfähig zu bleiben“, so Wegener.
Instagram: Content für Yoga Retreats
Wenn Lisa Weddig auf ihr altes Berufsleben zurückschaut, erzählt sie präzise, ruhig und unprätentiös – aber mit einem spürbaren Aufatmen. Bis 2023 war sie CEO der Österreich Werbung, der nationalen Tourismusmarketing- Organisation Österreichs, zuvor leitete sie als Geschäftsführerin die Geschicke von TUI Österreich – beides Positionen mit großer Strahlkraft ins europäische Ausland und mit hoher Führungsverantwortung für mehr als 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Heute ist Lisa Weddig die Gründerin von Local Vibes Yoga Retreats. Mit ihrem Unternehmen sitzt sie im beschaulichen Einhaus, einem kleinen Ort in der Nähe von Ratzeburg, wenn sie nicht gerade in der Welt unterwegs ist. Seit zwei Jahren konzipiert und organisiert die Tourismusexpertin mehrtägige Yoga Retreats im Ausland. Die Retreats vereinen Yoga und Kulturreisen, so das Konzept.
„Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen in Verbindung mit sich selbst kommen, neue Kulturen und Menschen kennenlernen. Ich möchte dabei vor allem Verständnis und Gemeinschaft fördern“, sagt Weddig. Die Retreats führen zum Beispiel auf den Jakobsweg, nach Bali, Indien, Schweden und Sansibar. Orte, zu denen Weddig eine persönliche Bindung hat. So traf sie bei einer Wanderung über den Jakobsweg die Entscheidung, etwas in ihrem Leben zu ändern. „Ich wollte raus aus dem Corporate Hamsterrad und mehr Zeit und Energie für etwas Eigenes haben.“ Kurze Zeit später kündigte sie den Job in Österreich und gründete ihr eigenes Unternehmen.
Mit der Gründung von Local Vibes Yoga Retreats stand Weddig vor der Herausforderung, Website und Instagram-Account komplett neu aufzubauen – für die Einzelkämpferin eine Mammutaufgabe. Über das NewKammer- Frühstück der IHK zu Lübeck, ein Angebot für neu gegründete Unternehmen, erfuhr sie vom IHK-Beratungsangebot „Meet the Experts“. Lisa Weddig wählte die Beratung zu Social Media und trat so mit IHK-Mitarbeiterin Julia Beckmann in Kontakt. „Ich habe in der Beratung viel Input und hilfreiche Ratschläge bekommen, wie ich meinen Instagram-Account optimieren kann, zum Beispiel, wie ich per Video Einblicke in meine Arbeit gebe, wie ich Gewinnspiele einsetzen und bezahlte Werbung nutzen kann“, erzählt Weddig. Außerdem filme sie bei Retreats nun immer kurze Clips, um diese später als Content zu nutzen. Julia Beckmann berät Unternehmen aller Branchen zu ihren Auftritten in den sozialen Medien – meistens kleine und mittlere Betriebe, die keine Kapazitäten für Social Media haben.
Die Herausforderung sei jedoch bei allen gleich: „Die Grundfrage ist: Wie und was poste ich, um bei meinen Kunden Interesse zu wecken? Das Ziel ist es, Menschen abzuholen sowie mit Mehrwert und Emotion zu überzeugen“, so die Social-Media-Expertin. Dabei komme es nicht auf eine professionelle Kameraausrüstung an. Vielmehr gehe es darum, Content zu produzieren, der zwischen den Followern und dem Produkt eine Verbindung schaffe. Der Instagram-Kanal von Local Vibes Yoga Retreats wachse inzwischen gut und beim Posten fühle sie sich jetzt sicher, berichtet die Gründerin. Gerade Reels, in denen sie persönliche Einblicke gibt, hätten viele Aufrufe. Bald möchte Lisa Weddig auch noch die IHK-Beratung zu KI buchen – zum Thema Onlinemarketing habe sie erst kürzlich und ebenfalls über „Meet the Experts“ neues Know-how für ihr Business gewonnen.

Falk Schönberg
Eigene KI-Software fürs Asset-Management
Falk Schönberg ist ein erfahrener Immobilienprofi. Seit 15 Jahren ist er im Property- und Asset-Management aktiv und kümmert sich für Eigentümer um das Wohl ihrer Immobilien. Er kennt die Bedürfnisse und Herausforderungen größerer Immobilieneigentümer genau, vor allem im Norden und Osten Deutschlands. Anfang 2025 hat sich Schönberg selbstständig gemacht. In Zarpen im Kreis Stormarn hat er die Valurea GmbH gegründet. „Für meine Kunden begleite ich sämtliche Prozesse, die in den Immobilien ablaufen. Wenn also Immobilieneigentümer zum Beispiel einen neuen Facility-Manager suchen, dann begleite ich den gesamten Prozess – angefangen bei einer Bedarfsanalyse bis hin zum Abschluss“, sagt Schönberg.
Nach seiner Existenzgründung sei er auf das Angebot „Meet the Experts“ aufmerksam geworden und buchte eine Beratung zum Thema KI. Während des Gesprächs mit dem IT-Experten entstand dann die Idee, eine eigene Software zu programmieren. „Mir ging es ursprünglich darum, Prozesse per KI zu optimieren und zu vereinfachen. Eine eigene Software zu entwickeln, damit hätte ich nicht gerechnet“, so Schönberg. Die KI-basierte Software bietet laut Schönberg viele Vorteile für das Asset-Management, vor allem, weil viele der betreuten Immobilien Transformationsbedarf haben, also Leerstand aufweisen oder vor einer Sanierung stehen.
„Mit der KI können wir den Eigentümern eine passgenaue Risikoanalyse des Portfolios an die Hand geben. Wie wirken sich etwa Restmietlaufzeiten der Gewerbeeinheiten aus? Wie verändert sich der Markt und was bedeutet das für meine Immobilie? Welchen Impact auf die Immobilien haben externe Ereignisse – zum Beispiel, wenn ein namhaftes Unternehmen in die Stadt zieht und den Markt auf den Kopf stellt? Diese Faktoren fließen beispielsweise in die Analyse ein“, erklärt Falk Schönberg. Angetan ist der junge Inhaber auch vom Netzwerk der IT-Experten, das er durch die IHK-Beratung erhalten hat. „Außerdem habe ich von Förderung erfahren, von der ich zuvor nichts wusste. Auch das war sehr nützlich“, sagt er.