
May-Britt Schrader ist Geschäftsführerin der dls Land und See Speditionsgesellschaft mbH in Siek und Vorsitzende des Vereins Lübecker Spediteure e. V.
Mein Standpunkt
Energiepreise: Wenn Bewegung zum Risiko wird
VON MAY-BRITT SCHRADER
Logistik lebt von Bewegung. Und genau die wird gerade zum Risiko und gerät massiv unter Druck. Die Mischung ist toxisch: Eine schwächelnde Wirtschaft sorgt für weniger Ladung. Und die Margen? Waren schon vorher dünn. Gleichzeitig steigen die Kosten weiter – bei Energie, Personal und entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Und ja: Auch die Bürokratie wird nicht weniger. Gerade die Energiepreise (Diesel) sind für unsere Branche längst kein Kostenfaktor mehr, sondern ein Risikofaktor, der jede Kalkulation ins Wanken bringt. Wer in den letzten Jahren Rücklagen aufgebaut hat, hat sie längst eingesetzt. Bei vielen ist nichts mehr übrig, was noch abfedern könnte. Dass erste Unternehmen aufgeben oder in die Insolvenz gehen, überrascht in der Branche niemanden mehr. Es ist die logische Konsequenz. Hinzu kommt: Mechanismen, die eigentlich entlasten sollen, greifen zu kurz. Sogenannte Dieselgleitklauseln kommen oft zu spät, sind nicht ausreichend oder werden in Ausschreibungen gar nicht berücksichtigt.
Am Ende bleibt das Risiko beim Logistiker. Und der finanziert vor. Die Branche reagiert, so gut sie kann. Mit Effizienz, Digitalisierung und Investitionen. Aber all das braucht Zeit, Kapital und vor allem Planungssicherheit. Und genau daran fehlt es. Was wir brauchen, ist kein weiterer kurzfristiger Impuls, sondern ein realistischer Blick auf die Rolle der Logistik: Transport ist keine beliebig verhandelbare Größe. Er ist Voraussetzung dafür, dass Wirtschaft überhaupt funktioniert.
Das bedeutet auch: Preise müssen die Realität abbilden. Risiken müssen fair verteilt werden. Und Rahmenbedingungen müssen verlässlich sein. Denn wenn Transport sich nicht mehr rechnet, trifft es nicht nur eine Branche. Es trifft die Versorgung insgesamt. Oder klar gesagt: Ohne wirtschaftliche Logistik steht am Ende mehr still, als uns lieb sein kann.
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