Buchtipps
Buchtipps von Tanja Nagelpusch und Henrica Ostermann
Buchhandlung Buchfink GmbH, Lübeck
Tanja Nagelpusch und Henrica Ostermann führen seit 2014 die Buchhandlung Buchfink im Wirth-Center in Lübeck. Anfang 2026 haben die Inhaberinnen zudem die Buchhandlung Nitz am Kaufhof übernommen.
Für den Schreibtisch

Foto: Diogenes
Bohnen sehen unscheinbar aus, aber sie haben Revolutionen ausgelöst, den Aufstieg von Imperien ermöglicht, die Globalisierung befeuert und die Genetik begründet. Es steckt mehr darin, als man denkt. In letzter Zeit erfährt dieses lange vernachlässigte Gewächs wieder mehr Aufmerksamkeit. In dreizehn Geschichten werden zwölf Bohnen vorgestellt, die einen Einfluss auf Geschichte, Gesellschaft und Politik hatten: Erbse (neolithische Revolution), Linsen (Altes Testament), Ackerbohne (griechische Philosophie), nochmal Ackerbohne (karolingische Renaissance), Sojabohne (chinesisches Kaiserreich), gemeine Bohne (präkolumbisches Amerika), Kakaobohne (koloniale Plantagenwirtschaft), Erdnuss (Niederländisch-Ostindien), Kaffeebohne (Aufklärungsideal), Bohnen in Dosen (industrielle Revolution), Schwarzaugenbohne (afroamerikanische Emanzipation), Kichererbse (der am stärksten umkämpfte Landstrich der Erde), Lupine (das Ende der Zeiten).
Das Buch bietet einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf die Weltgeschichte und liest sich dabei wie ein Roman. Es ist unterhaltsam und informativ gleichzeitig und macht Lust auf Bohnengerichte. Die liebevolle Ausstattung macht den Lesegenuss perfekt.
Joël Broekaert holt zum universalgeschichtlichen Rundumschlag aus, von den neolithischen Menschen, die von Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern wurden und schon damals Hülsenfrüchte domestizierten, über Hülsenfrüchte in anderen Kulturkreisen, etwa Sojabohnen in Asien, bis hin zu den Herausforderungen des Klimawandels und dem CO2-Abdruck der Fleischproduktion. Henrica Ostermann
Joël Broekaert: Die Weltgeschichte in zwölf Bohnen, Diogenes 2025, 25 Euro
Rezension: Henrica Ostermann
Für das Sofa

Foto: Harper Collins
„Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt...“ So beginnt der Roman von Annette Bjergfeldt, der in Dänemark schon ein Bestseller war. Litas Mutter Fabiola stammt aus Argentinien, liebt Tango und ist eine leidenschaftliche Schuhverkäuferin. 1937 ist Fabiola gezwungen, aus Argentinien zu fliehen und landet mit der 8-jährigen Lita auf der kleinen kanadischen Insel Upper Puffin Island in einem Seemansheim. Während Fabiola nicht nur wegen des rustikalen Schuhwerks der Inselbewohner alles daransetzt, die Insel wieder zu verlassen, schließt Lita schnell Freundschaft mit den Inselbewohnern und fühlt sich dort zu Hause. Das Highlight des Insellebens ist der jährliche Besuch des Japaners Mr. Saito mit seinem Wanderkino.
Der Roman nimmt uns mit in die Entstehungszeit des Kinos, es geht um Reisen und Fluchten, um Freundschaft, Liebe und Verrat. Durch den bildhaften Stil der Autorin habe ich mich bald als Teil des Inselgeschehens gefühlt und die einzigartigen, skurrilen Inselbewohner sehr schnell liebgewonnen. Eine warmherzige Geschichte über das Erwachsenwerden und die Anfänge des Kinos, poetisch und wunderschön erzählt.
Annette Bjergfeld: Mr. Saitos reisendes Kino, Harper Collins 2025, 24 Euro
Rezension: Tanja Nagelpusch

Wirtschaft im Hansebelt – Das Magazin der IHK zu Lübeck
Ausgabe August / September 2026
