Interview mit Dehoga
„Hohe Einkaufspreise und bürokratische Gesetze belasten die Branche“
Lutz Frank ist seit April 2026 neuer Präsident des Dehoga Landesverbands Schleswig-Holstein e.V. Im Interview spricht der Gastronom und Inhaber des Restaurants am Ihlsee in Bad Segeberg über die Herausforderungen und Lage im Gastgewerbe.
Was sind die aktuellen Herausforderungen der Hotels und Restaurants in Schleswig-Holstein?
Nach wie vor haben wir hohe Einkaufspreise und hohe Energiekosten in unseren Betrieben. Das muss gut geschultert und mit einer vernünftigen Kalkulation gemeistert werden. Hinzu kommt der Fachkräftemangel, obgleich wir heute schon besser dastehen als noch vor drei Jahren – hier profitieren wir von unserem Tarifvertrag mit der Gewerkschaft. Eine Herausforderung ist auch das Buchungsgeschäft: Viele Gäste buchen ihre Unterkünfte kurzfristig und bleiben auch nicht mehr so lange wie früher. Das erschwert für viele Betriebe die Kalkulation.
Viele Gastronomen beklagen sich auch über die starren Regelungen zur Arbeitszeit und deren Erfassung. Was hat es damit auf sich?
Das Arbeitszeitgesetz ist ein sehr akutes Thema. Es geht nicht darum, dass unsere Leute mehr arbeiten sollen, sondern flexibler. Das ist wichtig, um den Betrieb besser organisieren zu können. Auch wollen unsere Mitarbeiter selbst entscheiden, wie lange sie arbeiten und nicht mitten in Schicht, etwa bei der Betreuung einer Hochzeit, ihre Arbeit auf einmal abbrechen. Sie wollen an der Seite der Gäste bleiben. Auch ich als Chef und Gastronom kann um Mitternacht nicht einfach eine Schicht auswechseln. Das geht an der Realität vorbei. Ein flexibleres Gesetz würde vielmehr Arbeitsplätze und viele Betriebe in ihrer Existenz sichern.
Ebenso belastet die Branche das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz. Das stellt alle HoGa-Betriebe an den Hygienepranger. Das Gesetz bürdet der gesamten Branche neue Kennzeichnungs- und Dokumentationspflichten auf, die im Alltag kaum praktikabel sind. Das bestehende System mit unangemeldeten Kontrollen ist ein gut funktionierender und transparenter Ablauf, der sich für alle bewährt hat. Der neue Plan ist ein Bürokratiemonster und völliger Blödsinn.
Wie hilft der Dehoga seinen Mitgliedsunternehmen?
Wir haben in Schleswig-Holstein zum Beispiel ein Netzwerk mit vielen Kooperationspartnern aufgebaut. Unsere Betriebe bekommen so viele Vergünstigungen und können zum Beispiel Energieberatungen in Anspruch nehmen. Aber vor allem stehen wir unseren Betrieben zur Seite und beraten sie bei Fragen zu Steuern und Bürokratie. Auch dass für Speisen in der Gastronomie dauerhaft der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent gilt, ist ein Verdienst der Dehoga. Wir haben hier viele Gespräche geführt und gute Argumente geliefert.
Wie würden Sie eigentlich die Gastronomie im Kreis Segeberg charakterisieren?
Im Mittelpunkt des Kreises liegt Bad Segeberg – eine sehr aktive Stadt mit vielen Konzerten und den Karl-May-Spielen, die jährlich mehrere hunderttausend Gäste anziehen. Davon profitieren auch die Hotels und Restaurants. Gleichzeitig haben wir im Kreis viele kleine Landgasthöfe. Sie sind ein Garant für eine erfolgreiche und attraktive Gastronomie im Binnenland. Der Kreis Segeberg ist touristisch sehr gut aufgestellt.
Interview: Benjamin Tietjen · IHK-Redaktion Lübeck · benjamin.tietjen@luebeck.ihk.de.
Fotos: Privat
Statements

Im Kreis Stormarn haben wir viele schöne Landgasthöfe – viele sind traditionell ausgerichtet, arbeiten aber gleichzeitig mit kreativen Ideen und probieren oft Neues aus. Neben Einheimischen kommen viele Gäste aus Skandinavien zu uns, die auf der Durchreise sind.
Norman Stieper, Landhaus Hammoor, Vorsitzender Kreisverband Stormarn

Die Lübecker Gastronomie ist eng mit der Hotellerie verbunden und sehr vielfältig. Wir haben Gäste aus der ganzen Welt und können sie mit unterschiedlichen Küchen und Konzepten und das ganze Jahr hervorragend bewirten.
Gabrijel Pranjic, Restaurant Schlumachers, Vorsitzender Kreisverband Lübeck

Unser Kreis ist sehr ländlich geprägt. Wir haben einen guten Mix aus Landgasthöfen und namhaften Hotels zum Beispiel in Ratzeburg und Mölln. Die Gastronomie ist für den Tourismus in unserem Kreis überlebenswichtig. Das merken wir immer wieder.
Anke Asmus, Gaststätte Hans Heitmann, Vorsitzende Kreisverband Herzogtum Lauenburg

Die ostholsteinische Küste und die Insel Fehmarn sind sowohl bei Familien als auch bei Individualreisenden sehr beliebt. Aber auch das Binnenland wie die Rosenstadt Eutin hat viele exklusive Events und kulinarische Highlights zu bieten.
Lambertus Muller, SAND GmbH & Co.KG, Vorsitzender Kreisverband Ostholstein

Wirtschaft im Hansebelt – Das Magazin der IHK zu Lübeck
Ausgabe August / September 2026
