Reisen für Alle

Ein Zimmer, das Türen öffnet

Ein Hotelzimmer ist für die meisten Gäste einfach ein Ort zum Ankommen. Für Menschen mit einer Behinderung entscheidet es jedoch oft darüber, ob eine Reise überhaupt möglich ist. Die Waldhalle Mölln baut mit „Reisen für Alle“ Barrieren ab.

Wie breit ist die Tür? Gibt es Stufen? Ist das Bad mit dem Rollstuhl nutzbar? Antworten liefert das bundesweite Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“. Es schafft Transparenz über die Barrierefreiheit touristischer Angebote und ermöglicht Gästen eine selbstbestimmte Reiseplanung. Zu den wenigen zertifizierten Hotels im Kreis Herzogtum Lauenburg gehört die Waldhalle Mölln. Für Geschäftsführer Ali Yazgan war die Zertifizierung die logische Konsequenz bereits erfolgter Investitionen. „Wir haben 2019 mehrere Zimmer umgebaut, darunter auch ein barrierefreies Zimmer. Gemeinsam mit Uta Steffen von der Herzogtum Lauenburg Marketing & Service GmbH haben wir dann den Zertifizierungsprozess angestoßen“, sagt er.

Jeder Zentimeter zählt

Die Zertifizierung bewertet nicht, ob ein Betrieb vollständig barrierefrei ist. Stattdessen werden objektive Informationen erhoben. „Es geht um Detailinformationen und Transparenz“, erklärt Uta Steffen. „Wir dokumentieren den gesamten Weg – vom Parkplatz bis ins Zimmer. Türbreiten, Bewegungsflächen, Steigungen oder die Maße im Bad werden exakt gemessen. So können Gäste selbst entscheiden, ob das Angebot ihren Bedürfnissen entspricht.“ Die Daten werden nach bundesweit einheitlichen Kriterien erhoben und auf der Plattform „Reisen für Alle“ veröffentlicht. Berücksichtigt werden Anforderungen von Menschen mit Mobilitäts-, Seh- oder Hörbeeinträchtigungen sowie Allergien. Erfasst wird auch, ob Assistenzhunde willkommen sind oder welche Sicherheitsvorkehrungen bestehen.

Zwei Personen mit gerahmtem Zertifikat vor dem Hotel Waldhalle in Mölln

Ali Yazgan, Geschäftsführer der Waldhalle Mölln, und Uta Steffen von der Herzogtum Lauenburg Marketing & Service GmbH präsentieren die Zertifizierung „Reisen für Alle“. Foto: Berit Crawford

Wichtige Zukunftsinvestition

Für Hotels bedeutet Barrierefreiheit weit mehr als bauliche Anpassungen. „Kommunikation ist das A und O“, betont Yazgan. Gäste mit besonderen Anforderungen sollten frühzeitig Kontakt aufnehmen, damit individuelle Lösungen – etwa für größere Stellplätze – organisiert werden können.

Umbauten sind häufig aufwendig und kostenintensiv. Türbreiten, Bewegungsflächen und Sanitäranlagen müssen bestimmte Anforderungen erfüllen. Gerade in Bestandsgebäuden stoßen Betreiber dabei schnell an bauliche Grenzen. „Die Investitionen rechnen sich wirtschaftlich oft erst nach vielen Jahren“, sagt Yazgan. Trotzdem sieht er sie als wichtige Zukunftsinvestition.


Barrierefreiheit und Inklusion kann niemand allein umsetzen. Das funktioniert nur gemeinsam – mit Betrieben, Kommunen und engagierten Partnern.
– Uta Steffen, Herzogtum Lauenburg Marketing & Service GmbH

Barrierefreiheit als Qualitätsmerkmal

Die Nachfrage nach barrierefreien Zimmern wächst kontinuierlich. Besonders bei Familienfeiern oder Hochzeiten werden sie regelmäßig benötigt. Auch Menschen mit Demenz oder Sehbehinderungen profitieren von großzügigen Bewegungsflächen und einer übersichtlichen Gestaltung. Die Herzogtum Lauenburg Marketing & Service GmbH verfolgt dabei einen umfassenden Ansatz. Ziel ist es, die gesamte touristische Servicekette barrierearm zu gestalten – von der Unterkunft über Freizeitangebote bis hin zu Taxiunternehmen oder Sanitätshäusern. Auf einer regionalen Internetseite werden deshalb zertifizierte und weitere barrierearme Angebote gebündelt.

IN ZAHLEN

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der Bevölkerung ist Barrierefreiheit unentbehrlich

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ist sie hilfreich

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ist sie komfortabel

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Seit Anfang 2026 ist Schleswig-Holstein Masterlizenznehmer des Projekts „Reisen für Alle“. Nun soll das Thema im Land weiter vorangebracht werden. „Barrierefreiheit und Inklusion kann niemand allein umsetzen. Das funktioniert nur gemeinsam – mit Betrieben, Kommunen und engagierten Partnern“, so Uta Steffen.

Für Ali Yazgan ist Barrierefreiheit deshalb kein Nischenthema, sondern ein Qualitätsmerkmal moderner Gastfreundschaft. Ein Hotel, das möglichst vielen Menschen offensteht, schafft nicht nur mehr Komfort – sondern ermöglicht mehr Menschen, unbeschwert zu reisen.

Autorin: Berit Crawford · freie Journalistin · redaktion@luebeck.ihk.de

Checkliste – „Reisen für Alle“: So funktioniert die Kennzeichnung

Barrierefreiheit ist für zehn Prozent der Bevölkerung unentbehrlich, für 40 Prozent hilfreich und für 100 Prozent komfortabel. Sie ist längst kein Nischenthema mehr, sie ist ein klares Qualitätsmerkmal moderner touristischer Angebote. Mit der bundesweit einheitlichen Kennzeichnung „Reisen für Alle“ zeigen Hotels und Unterkünfte, dass sie alle Gäste im Blick haben – unabhängig von Alter, körperlichen Einschränkungen oder individuellen Bedürfnissen.

Die Kennzeichnung ist einfach gehalten. Der Ablauf ist klar strukturiert, praxisnah und lässt sich auch mit wenig Zeitaufwand umsetzen:

1. Registrierung des eigenen Unternehmens online oder bei einem zuständigen Ansprechpartner. Im Anschluss erhalten Unternehmen alle erforderlichen Antragsunterlagen sowie ein Kostenangebot.
2. Teilnahme an der verpflichtenden Online-Schulung für bis zu zehn Mitarbeiter.
3. Terminvereinbarung und Erhebung des Unternehmens durch geschulte Erheber.
4. Erhalt der detaillierten Prüfberichte und der Urkunde mit dreijähriger Gültigkeit.
5. Darstellung des Hotelsund Angebots auf www.reisen-füer-alle.de und auf weiteren Internetseiten, etwa der Deutschen Zentrale für Tourismus.

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Ausgabe August / September 2026