Google-Bewertungen

Die Macht der Online-Bewertungen

Google-Bewertungen sind für viele Reisende und Restaurantgäste eine wichtige Entscheidungshilfe. Für Betriebe im Gastgewerbe beeinflussen sie Sichtbarkeit, Reputation und Buchungen. Warum sich ein aktiver Umgang mit Lob und Kritik lohnt, zeigen Beispiele aus der Praxis.

Bewertungen bei Google und anderen Portalen sind bei Urlauberinnen und Verbrauchern beliebt. Ein kurzer Blick aufs Smartphone entscheidet nicht selten über einen Hotelaufenthalt oder Restaurantbesuch. Geschrieben und gelesen sind solche Bewertungen schnell, für das Gastgewerbe haben solche Rezensionen jedoch langwierige Auswirkungen. Denn Gäste können so gleichermaßen verloren wie gewonnen werden, Fluch und Segen gleichermaßen also.

Yannik Böttcher schaut sich die Rezensionen seiner Gäste genau an. Denn für den Inhaber des Boutique Hotels Seebrise in Grömitz sind Google-Bewertungen ein wichtiger Gradmesser und Teil der digitalen Guest Journey. „Beim Check-Out bitten wir unsere Gäste uns zu bewerten, dieses Feedback ist für uns sehr wertvoll“, sagt der Hotelier. „Bewertungen bei Google und Booking.com geben uns einen Einblick, ob sich unsere Gäste wohlfühlen oder ob wir eventuell etwas anpassen sollten“, so Böttcher weiter. Denn viele Gäste würden lieber im Nachgang über Dinge schreiben als sie an der Rezeption anzusprechen, so seine Erfahrung. Für das Beantworten nimmt sich Böttcher extra Zeit, oft frühmorgens, bevor es trubelig wird. Seit einiger Zeit betreibt er ein Bewertungsmanagement und fasst die Bewertungen in Reports zusammen.

Hotelier mit Tablet im Gastraum seines Hauses

Yannik Böttcher leitet das Boutique Hotel Seebrise in Grömitz. Foto: Felix König

Neue Gäste dank Bewertungen dazugewonnen

Dass sich Investitionen ins Hotel auch bei Google-Bewertungen positiv bemerkbar machen, weiß Böttcher gut. 2024 hatte er das Grömitzer Hotel übernommen, in dem damals Renovierungsstau herrschte. „Viele Bewertungen wiesen damals auf altersbedingte Mängel hin oder auf Probleme bei der Reinigung. Wir haben 2025 dann umfangreich saniert, die Zimmer und den Frühstücksbereich neugestaltet und die Reinigungsfirma entlassen und auf eigenes Personal gesetzt. Seitdem bekommen wir sehr positive Rückmeldungen – und haben sogar neue Gäste dazugewonnen, die von unserem guten Frühstück gelesen hatten.“ Und auch wenn doch einmal Kritik geäußert wird, sieht Böttcher das als Chance. „Wir gehen dann in den Dialog und konnten Gäste bereits überzeugen, uns eine zweite Chance zu geben. Das ist eine Win-win-Situation für alle.“


Wir gehen dann in den Dialog und konnten Gäste bereits überzeugen, uns eine zweite Chance zu geben. Das ist eine Win-win-Situation für alle.
– Yannik Böttcher, Boutique Hotel Seebrise

Auf kritische Rezensionen in einem sachlich wertschätzenden Ton einzugehen, empfiehlt auch Nico Erhardt. Der Online-Marketing-Experte und Inhaber der service & media online-werbung GmbH in Bad Schwartau spricht hierbei von einer Art Umkehr im Gästeverhalten. „Wir wissen aus Studien und der Praxis, dass Hotelbetreiber negative Rezensionen zu ihrem Vorteil umdrehen können, wenn sie empathisch auf den Gast eingehen, sich erklären und sich für einen eventuellen Missstand entschuldigen. Potenzielle Gäste, die mitlesen, entwickeln dann häufig mehr Verständnis für das Hotel“, erklärt Erhardt.

Porträt eines Gastronomen im dunklen Hemd an einem Fenster

Nico Erhardt. Foto: service & media online-werbung GmbH

Das aktive Auffordern und Managen von Google-Bewertungen hat laut Erhardt gleich mehrere Vorteile. „Hotels, die Bewertungen vorweisen können, sind bei der Suche allein schon visuell auffälliger als Häuser mit keinen Rezensionen. Viele und gute Bewertungen können die Sichtbarkeit deutlich verbessern, weil sie ein wichtiges Signal für den Google-Algorithmus sind“, sagt er. Hinzukomme das psychologische Phänomen des Social Proof: Also, dass Menschen sich in ihren Handlungen an den Erfahrungen und Meinungen anderer orientieren.

Für Hotelinhaber lohne hingegen ein Seitenblick auf Hotels in der Umgebung. „Das ist ein effizientes Mittel, um zu erfahren, was Gäste wollen, was aktuelle Trends sind und was man sich eventuell vom Mitanbieter abschauen kann – oder man dringend vermeiden sollte“, sagt Erhardt mit einem Schmunzeln.

Suchmaschinenoptimierung mithilfe von Rezensionen

Und wie sollen Touristiker mit Bewertungen umgehen? Ein aktives Community-Management habe gleich zwei Vorteile: „Erstens erkennt Google daran, dass das Unternehmensprofil aktiv gepflegt wird und relevant ist. Zweitens signalisiert es der Suchmaschine: Hier finden menschliche Interaktionen statt. Das ist ein positives Signal für ein möglichst gutes Suchergebnis.“

In puncto Suchmaschinenoptimierung kennt Ehrhardt noch einen weiteren Vorteil geschriebener Rezensionen. „Wenn Hotels Bewertungen auf ihrer Homepage zitieren, ergänzen sie ihre Inhalte um authentische Nutzerstimmen, die sowohl Vertrauen schaffen als auch zusätzliche relevante Inhalte liefern (User-generated content)“, so der Tourismus- und Marketing-Experte.

Löschen sollten Seiteninhaber Bewertungen generell nicht. Nur dann, wenn sie gegen die Google-Richtlinien verstoßen, etwa diffamierend sind, von Nicht-Gästen stammen, Arbeitgeber bewerten oder nachweislich gefälscht wurden. Die von Google neu eingeführte Transparenzfunktion, die anzeigt, wie viele Rezensionen innerhalb der vergangenen zwölf Monate auf gelöscht wurden, sieht Erhart positiv. „Auch das stellt Transparenz her – und motiviert Seiteninhaber eventuell, sich mit Bewertungen auseinanderzusetzen, anstatt sie zu löschen.“

Autor: Benjamin Tietjen · IHK-Redaktion Lübeck · benjamin.tietjen@luebeck.ihk.de

Checkliste: Google-Bewertungen für Hotels & Gastronomie

1. Bewertungen aktiv steuern
Gäste systematisch zur Bewertung motivieren, etwa beim Check-out, per Follow-up-Mail oder via QR‑Code. Besonders zufriedene Gäste gezielt ansprechen, ohne Druck aufzubauen oder Anreize zu schaffen, die gegen die Richtlinien der Plattformen verstoßen. Wichtig ist Kontinuität: Nur ein stetiger Zufluss neuer Bewertungen sorgt für ein aktuelles, belastbares Gesamtbild und stärkt langfristig die digitale Sichtbarkeit.

2. Sichtbarkeit gezielt nutzen
Sternebewertung und Anzahl der Rezensionen können Ranking, Klickrate und Wahrnehmung in Google Maps und der Suche beeinflussen. Ein solides Niveau (circa 4,6–4,8 bei vielen Bewertungen) gilt als glaubwürdig und attraktiv. Einzelne Ausreißer nach unten sind dabei normal und können die Gesamtwirkung sogar erhöhen, weil sie Authentizität signalisieren und keine künstlich „glatte“ Darstellung erzeugen.

3. Konsequentes Community Management
Bewertungen sollten regelmäßig geprüft und möglichst zeitnah beantwortet werden. Auch kurze, individuelle Reaktionen zeigen Präsenz. Für Google wie für potenzielle Gäste wird sichtbar, dass das Unternehmensprofil aktiv gepflegt wird und Feedback nicht ins Leere läuft. Ein konsistenter Tonfall und klare Zuständigkeiten intern erhöhen die Qualität der Antworten.

4. Kritik professionell nutzen
Negative Bewertungen sachlich, ruhig und lösungsorientiert beantworten. Verständnis signalisieren, ohne unberechtigte Vorwürfe zu übernehmen, und gegebenenfalls Hintergründe einordnen. Wichtig: Die Antwort richtet sich an zukünftige Leser. Ein konstruktiver Umgang kann die Wirkung einer schlechten Bewertung relativieren oder sogar ins Positive drehen.

5. Bewertungen systematisch auswerten
Eigene und fremde Rezensionen kontinuierlich analysieren. Sie liefern konkrete Hinweise auf Erwartungen, Trends und Schwachstellen im Markt. Wiederkehrende Kritikpunkte sollten aktiv bearbeitet werden. Gleichzeitig bieten Formulierungen aus Bewertungen wertvolle Impulse für Positionierung, Angebotsentwicklung und Suchmaschinenoptimierung (SEO), da sie die Sprache der Gäste widerspiegeln.

Diese Checkliste ist in Zusammenarbeit mit der service & media online-werbung GmbH entstanden.

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Ausgabe August / September 2026